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(photo: eighth from left)

Biography

Bettina Gartner, 29, is working as freelance business journalist for such German magazines as DIE ZEIT, National Geographic Germany, P.M.-Magazin and GEO. She is writing on science, specifically archaeology, sociology, palaeontology and psychology. She took her first steps in journalism during her time at the university, when she interned for all of the magazines she’s now working for, as well as for newspapers and TV. Before deciding to become a freelance journalist, she worked as editor for the “culture and society” department of the German science magazine Bild der Wissenschaft (“the picture of science”) from June 2005 to July 2006. Though Bettina’s mother tongue is German, her nationality is Italian - she comes from South Tyrol, the northernmost province of Italy, which until 1918 was part of Austria and has managed to keep its cultural heritage alive thanks to one of the best political autonomies in the world. In her PhD thesis, Bettina studied history and communications at the Austrian University of Salzburg from 1997 to 2001. She continued her PhD studies until 2004, comparing the situation in South Tyrol (Italy) and Alsace (France) during the two World Wars, focusing on the everyday life of minorities in those regions. Being a Burns fellow gives Bettina a great opportunity to compare the German and American types of magazine-journalism and to explore the American way of life as well as its famous scientific community.

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Final Report

10 Wochen in Amerika

Woche 1: Von transatlantischen Beziehungen

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, heißt es. Mich bringt die Unpünktlichkeit auf direktem Weg in die Business-Class. Da mein Flieger aus Innsbruck Verspätung hat, heißt es in Frankfurt, alle Plätze für den Anschlussflug nach Washington seien belegt. Alle, außer jene in der Business-Class. Die Lufthansa würde sich freuen, mich dorthin einzuladen. Ich muss sagen: Meine Reise in die USA könnte nicht besser beginnen.

Während wir über den Atlantik ziehen, halte ich an europäischen Gaumenfreuden fest: deutschem Wein und französischem Käse.

Bei der Einreisekontrolle geht es wieder ums Essen. Ob ich irgendwelche Nahrung im Gepäck hätte, fragt mich der Beamte. Ich denke an das Stück Speck, das in meinem Koffer verstaut ist. Nahrung? Nein, ich würde es ein Stück Heimat nennen.

Beim Abendessen in Washington treffen wir die amerikanischen Stipendiaten. Man versteht sich. In den folgenden Tagen erfahren wir in diversen Vorträgen viel über transatlantische Beziehungen – die im Laufe der Woche zunehmend vertieft werden.

Washington scheint vor allem aus Büros, Museen und Denkmäler zu bestehen. Zugegeben: Der Einblick ist flüchtig. Aber wir erfahren: Kein Gebäude in der Stadt darf höher sein als das Capitol. Diese in Stein gemeißelte Unterwürfigkeit lässt Washington an manchen Stellen wie ein Puppenhaus wirken.

In Airlie, dem Konferenz-Zentrum in Virginia, fühle ich mich fast wie zuhause. Grün, so weit das Auge reicht. Nur die Berge fehlen. Wegen meines Südtiroler-Akzents und meines Lachens werde ich von den deutschen Kollegen als Liselotte Pulver bezeichnet. Wir googeln: Liselotte Pulver, geboren 1929 in Bern. Nur lobende Worte. Recht so.

Woche 2: Von Christen und Kaffeeentzug

Die Katastrophe zeichnet sich ab, als der Busfahrer die Scheibenwischer einschaltet. Da ich das erste Mal an der amerikanischen Ostküste bin, weiß ich nicht, was Regen hier bedeuten kann. Er kann – selbst wenn er auf der Erde nur scheinbar harmlose Fäden zieht – den ganzen Luftverkehr lahm legen, weil in der Atmosphäre die Hölle los ist. Wir sind auf dem Weg zum Flughafen in Washington. Eigentlich wären es nur anderthalb Stunden bis nach Boston. Am Ende werden es fast sechs Stunden sein, weil wir vier davon in einem Flugzeug sitzen, das zwar schon auf der Landebahn steht, aber nicht abheben kann.

In Boston sind die Wege kürzer. Meine Wohnung liegt günstig, nur wenige Meter von der S-Bahn („T“ genannt) entfernt und fünf Minuten Fußmarsch von meiner ersten Gastredaktion, dem „Christian Science Monitor“. Meine Mitbewohnerin Caitlin, Praktikantin bei der Zeitung, empfängt mich mit Kuchen und einem Crashkurs zur Philosophie der „Christian Science Church“, die im 19. Jahrhundert von Mary Baker Eddy gegründet worden ist.

Die zentralen Botschaften, die sich mir zu so später Stunde noch einprägen, lauten:

Krankheiten sollen nicht mit Medikamenten, sondern allein durch Gebet und Glauben besiegt werden und jegliche Art von Drogen ist tabu.

Auch Kaffee? Caitlin nickt. Mir schwant Schlimmes. Ich eile zu Bett – vorsorglich.

Tatsächlich: In der Redaktion des Christian Science Monitor gibt es keine Kaffeemaschine. Dafür jede Menge Freundlichkeit, als ich mich am nächsten Tag vorstelle. Ich kriege eine Magnetkarte, die mir sämtliche Türen öffnet, einen Schreibtisch zugewiesen und ein Passwort für den Computer. Prima.

Woche 3: Von rülpsenden Kühen und Totenstille

Mein Platz ist im Feature – wo es um Wissenschaft und Bildung, Bücher und Kultur geht. Bereits im Vorfeld habe ich Thomas Owen, dem Ressort-Chef, einige Themenvorschläge geschickt. Jetzt ist er in Urlaub, aber ich kann trotzdem loslegen. Bei der montäglichen Konferenz finden die rülpsenden Kühe Anklang. Das Methan in ihrem Magen ist schlecht fürs Klima. Deutsche und Schweizer Forscher wollen es den Rindviechern austreiben. Das sollen auch die US-Leser erfahren.

Ich mache mich an die Arbeit, recherchiere, telefoniere. Die Zeitverschiebung macht die Sache etwas schwierig: Wenn in den USA der Arbeitstag beginnt, rückt in Europa der Feierabend näher.

Doch noch etwas anderes irritiert, in der unmittelbaren Umgebung. Die Leute beim Christian Science Monitor sind so leise, dass ein Telefonat die fast mystische Stille schmerzhaft durchbricht. Nie hätte ich gedacht, dass es in einem Großraumbüro derart ruhig sein kann. Das Getippse der Tasten ist die meiste Zeit das einzige Geräusch, das man hört. Mitteilungen werden per E-Mail gemacht. Ansonsten übt man sich in Zurückhaltung. Gewöhnungsbedürftig.

Woche 4: Von Frostbeulen und Fokusgruppen

Ich gewinne den Blick fürs Detail: „The spirit of America“ steht auf den Nummernschilder der Autos von Massachusetts. Ich gewöhne mich an amerikanische Eigenarten: an die unüberschaubare Auswahl im Supermarkt; an die Riesenportionen im Gasthaus; an die Türschlösser, die man links herum öffnet; an die (Un-) Sitte, bei Rot über die Straße zu laufen (dabei dachte ich immer, ich sei von Italien schon einiges gewohnt…); an die Preise ohne Mehrwertssteuer; an die fehlenden und verdrehten Buchstaben auf der Computertastatur; an das andere Papierformat im Drucker. Fast eine Stunde lang liegt er lahm, als ich unwissentlich ein europäisches DIN-A-4-Format ausdrucken wollte. Der Techniker muss kommen. Und ich weiß jetzt, dass „US-Letter“ das Maß aller Dinge ist.

Nur an eines gewöhne ich mich nicht: die Klimaanlage. Sie sorgt für frostige Verhältnisse. Immer und überall. Ich bin verkühlt. Doch ich scheine nicht die einzige zu sein, der die Kaltblütigkeit zusetzt. Wenn zu Konferenzen gerufen wird, ziehen sich manche Kollegen ihre Jacke über.

Diskutiert wird beim Christian Science Monitor derzeit vor allem über eins: den Internetauftritt. Jimmy, der Web-Chef, hat für Schwarzenegger gearbeitet und die Internetseite des Weißen Hauses revolutioniert. Jetzt soll er hier für mehr Multimedia sorgen. Der Zeitungsmacher der Zukunft muss nicht nur schreiben, sondern auch filmen, fotografieren und Interviews aufs Band kriegen. Das wird dann alles ins Netz gestellt. Als Rundumpacket für den Kunden. Die Ambitionen sind groß, die Motivation ist da, nur die Ausrüstung fehlt. Der Teufel sitzt im Detail.

Außerdem wird laut darüber nachgedacht, ob die Zeitung künftig nur noch einmal wöchentlich, in Magazin-Format erscheinen soll. Fokusgruppen werden einberufen und befragt und hinter einer verspiegelten Scheibe beobachtet. Eigenartig

Woche 5: Vom Mekka im All und der Religion auf Erden

Meine rülpsenden Kühe sind im Blatt. Kaum redigiert. Ich freue mich.

Das nächste Thema wartet. Es geht um die Frage, wie sich muslimische Astronauten im All zu benehmen haben. Die Malaysische Weltraumbehörde hat Richtlinien dafür erlassen. Wie oft muss man beten, wenn man in einer Raumstation sitzt, die die Erde 16 Mal in 24 Stunden umrundet, es also entsprechend viele Sonnenauf- und Sonnenuntergänge gibt: 5- oder 80-mal? Wie funktionieren rituelle Waschungen in der Schwerelosigkeit? Und wie viel darf der Astronaut essen, wenn die Weltraumköche sich nicht um islamische Essens-Regeln scheren? Ich finde Antworten bei Religionsgelehrten und Weltraumphysiologen.

Außerdem zieht es mich in die Kirche. Zu einem Gottesdienst der Christian Science Church. Ich will die viel gepriesenen Zeugnisse von Spontanheilungen und Gottes Gnade hören, von denen die Gläubigen berichten. Die Gesichter sind jung, die Sitze komfortabel, lachsfarben und gepolstert. Zuerst wird aus der Bibel vorgelesen, dann aus den Schriften von Mary Baker Eddy. Dann kommen die Besucher zu Wort. Jemand erzählt über einen Spinnenbiss, der rasch abgeklungen ist, ein anderer über die Geschäfte, die wieder laufen. Eine Frau erzählt vom Nasenbluten ihres Sohnes, eine andere vom Prostatakrebs ihres Schwagers. Eine gute Stunde lang gibt es Geschichten über Alltägliches. Ernüchtern

Woche 6: Von der Vergangenheit

Arbeit im Außendienst. Es geht um einen Artikel für die ZEIT und über einen Physiker, der eine Zeitmaschine bauen will. Verrückt? Umwerfend, eher. Denn Ronald Mallett treibt der Wunsch, seinen Vater wieder zu sehen. Seit der vor mehr als 50 Jahren gestorben ist, sucht der Professor nach einer Möglichkeit, der Zeit ein Schnippchen zu schlagen, in die Vergangenheit zu reisen und seinen Vater zu warnen. Sein ganzes Leben hat Mallett auf dieses Ziel ausgerichtet. Curtis, einer der US-fellows, hat mir von dem Mann erzählt, als wir gemeinsam in Washington waren und er erfahren hat, dass ich über Wissenschaft schreibe. Ich bin begeistert (thanks again, Curtis!). Die ZEIT auch. Und Mallett ist sofort zu einem Treffen bereit. Ich nehme den Bus nach Hartford. Habe Malletts Buch gelesen und mich geflissentlich vorbereitet. Über kosmische Strings und die Krümmung der Raumzeit auf Englisch zu reden, ist ungewohnt. Aber es klappt bestens.

Der Abschied naht. Es soll weiter gehen nach New York, zu meiner zweiten Etappe, dem TIME magazine. Zuvor aber muss ich noch kurzfristig umziehen, weil die Wohnung renoviert werden soll. Doch schnell wird mir geholfen. Auch die Redaktion tut sich was. Sie soll zusammen rücken, um die Wege zu verkürzen und die Kommunikation zu fördern.

Ich denke zurück: An das Segeln im Charles River (wir – junge Redakteure und Praktikanten des Christian Science Monitor – liefern uns eine Wasserschlacht und müssen erleben, wie schnell amerikanische Ordnungskräfte zur Stelle sein können); an ausgedehnte Spaziergänge und an rasante Fahrradtouren durch Boston; an Ausflüge ans Meer; an die Wale, die mit der Fluke winken; an die Tatsache, dass man in Boston schon mal ein Bett auf der Straße findet, das Leute nicht mehr brauchen und man mitnehmen kann. Tolle Zeit!

Woche 7: Von Wolkenkratzern und fettarmer Milch

Ich nehme den „Boston Deluxe“ Bus nach New York. 15 Dollar für mehr als 300 Kilometer. De Luxe ist allerdings nur der Name. Ansonsten erinnert das Gefährt eher an ein ausgedientes Museumsstück. Weniger als vier Stunden dauert die Fahrt.

In New York steige ich ins Taxi. Nach Brooklyn, bitte! Ich kriege einen Eindruck davon, wie riesig diese Stadt ist.

Am verlängerten Wochenende habe ich Zeit, sie zu erkunden. Und mich einzurichten. Es ist Labor Day, den die Amerikaner anno dazumal auf den ersten Montag im September verlegt haben, um die Kommunisten zu ärgern. Ich suche nach meinem künftigen Arbeitsplatz. Das „Time & Life“-Building ist Teil des Rockefeller Centers, in der 6th Avenue, 15 Gehminuten vom Central Park entfernt. Ich schaue den glasverkleideten Wolkenkratzer hoch. Die Redaktion ist im 24. Stock, weiß ich.
Um dort hoch zu kommen, muss ich am nächsten Tag erst einmal jede Menge Sicherheitskontrollen passieren. Man sieht sich vor. Meine Tasche wird geröntgt, ich kriege einen Besucherausweis. Ratu Kamlani nimmt mich in Empfang. Sie ist „Chief of Reporters“ – „Chef vom Dienst“ trifft es wohl am besten. Sie ist eine graue Eminenz, kennt den Laden seit Jahrzehnten. Noch bevor ich zu meinem Schreibtisch komme, zeigt sie mir die Kaffeeküche. Es gibt ein Dutzend verschiedener Sorten zur Auswahl, heiße Schokolade und Tee, vier Arten von Milch – mit Fett, ohne Fett, mit ein bisschen Fett, halb Milch – halb Sahne. Ich staune.

Über das Stockwerk verteilen sich zahlreiche Büros. Ich nehme mir vor, sie zu zählen. Es bleibt beim Vorsatz. In der Fensterreihe sitzen die gestandenen Redakteure hinter Glastüren. Auf dem Gang ist der Nachwuchs in halboffenen Kuben untergebracht. Darunter auffallend viele junge Leute. Meine Nachbarinnen sind 23 und 25 Jahre alt. Wunderkinder? Nein, die Politik des Hauses. Das Blatt soll jünger werden. Generell scheint es in den USA keine „Generation Praktikum“ zu geben Ich staune immer mehr.

Woche 8: Von Schrittzählern und Sisyphusarbeit

Mir scheint, als hätte ich das schon einmal gesehen – nur eben auf Deutsch. Die Ähnlichkeiten sind frappierend. Alles hier erinnert an die ZEIT in Hamburg: der Arbeitsablauf, der Menschenschlag, sogar der Konferenzsaal mit dem großen ovalen Tisch, an dem die altgedienten Mitarbeiter sitzen, während sich in der zweiten Reihe, mit dem Rücken zur Wand, das Jungvolk, Praktikanten und Zuschauer niederlassen. Erst später erfahre ich, dass sich Gerd Bucerius bei der Gründung der ZEIT an TIME orientiert haben soll. Es scheint ihm gelungen.

Die Leute sind freundlich und unerwartet bodenständig. Gegen 10 Uhr morgens gibt es täglich eine große Redaktionskonferenz. Die einzelnen Ressorts tagen noch einmal getrennt. Am Dienstag geht es erfahrungsgemäß etwas länger, weil der Heftschluss naht. Dafür wird um 19 Uhr Essen serviert (eine weitere Ähnlichkeit mit der ZEIT): Italienisch, Chinesisch, Indisch. Nach getaner Arbeit lädt Ratu oft zu einem Gläschen Wein. An den Produktionstagen rennt sie pausenlos von Zimmer zu Zimmer, verteilt Ausdrucke und Anweisungen. Wie viele Kilometer sie an einem solchen Tag wohl zurücklegen mag, frage ich scherzhaft. Sie hebt ihr T-Shirt und zeigt auf einen Schritt-Zähler: „Bis zu 15.000 Schritte“, sagt sie.

Ich bin in der Briefing-Sektion. Die ist zuständig für die ersten Seiten, mit Kleinkram und Klatsch. Ich suche nach Zitaten und Meldungen und erfahre, was man bei TIME alles anstellen muss, bevor man Artikel schreiben darf. Dazu muss man wissen: Die Trennung der einzelnen Aufgabenbereiche ist in amerikanischen Redaktionen viel strikter als in deutschen Medien. Allround-Redakteure, die redigieren und schreiben, scheint es nicht zu geben. Der „editor“ redigiert, der „reporter“ schreibt – das kenne ich bereits vom Christian Science Monitor. Hier aber kommt eine weitere Kategorie hinzu: der Reporter in spe. Junge Leute, die die Aufgabe haben, Kurzmeldungen zu verfassen und Artikel zu checken. Die Regeln des „fact-checking“ sind rigoros: Jede Aussage und jede Zahl eines Artikels muss durch zwei Quellen – vertrauenswürdige, versteht sich – bestätigt werden. Ohne Hilfe des Autors. Am Ende recherchiert man den ganzen Text noch einmal neu. Es ist eine Sisyphusarbeit. Meinen Einstieg mache ich mit einer Geschichte über „Diego Garcia“, einem Eiland im Indischen Ozean. Es ist nicht sehr hilfreich, dass kaum ein Mensch es jemals betreten hat. Mühsam.

Woche 9: Von den Leiden der Welt

Das Briefing-Ressort wird nicht meine einzige Heimat bleiben. Ratu verschafft mir Zutritt zu den Meetings der anderen Abteilungen: zu den aufgedrehten „arts“-Leuten und zu der von Frauen dominierten „Business“-Sektion. Jyoti, die leitende Redakteurin der Wirtschaft, fragt mich – so ebenbürtig, als wäre ich ein altbewährter Teil des Teams – ob ich einen Themenvorschlag hätte. Habe ich nicht. Aber ich mache mich dankend auf die Suche. Die Konferenzen helfen zu verstehen, welche Artikel gefragt sind.

Ich werde fündig, lese, dass der Welt eine wahrhaft ernste Krise droht: Der Champagner könnte ausgehen! Der Schaumwein ist derzeit derart gefragt, dass die Franzosen mit der Produktion hinterher hinken. Dafür holen die Engländer auf. Seine Ansicht, die Hölle stelle er sich als „italienische Pünktlichkeit, deutschen Humor und englischen Wein“ vor, müsste Sir Peter Ustinov jetzt wohl revidieren. Denn die Briten trumpfen neuerdings mit guten Tropfen auf. Das erstaunt. Nicht nur mich, sondern auch Jyoti. Sie bestellt sofort: 800 Wörter bis nächste Woche.

Ich lege los. Wieder macht mir die Zeitverschiebung zu schaffen – und diesmal auch die Franzosen, die kaum Englisch sprechen. Aber der Artikel nimmt Form an.

Derweil naht ein weiterer Höhepunkt: Die online-Abteilung lädt zur „Daily Show“. Als Dankeschön für ihre Praktikanten. Und ich darf mit. Sehe Jon Stewart live und werde entschädigt für meinen Fernseh-Entzug: Denn sowohl in Boston als auch in New York habe ich keine Glotze. Auch egal.

Woche 10: Von stotternden Vögeln

Viel zu tun: mit dem Champagner; mit Übersetzungen, die ich für die Fotoabteilung mache (ein deutscher Bildband findet großen Anklang, aber kein Verständnis); mit weiterem fact-checking (spüre zwei Fehler in einer 10-Zeilen-Meldung auf und halte diese Arbeit fortan für etwas sinnvoller als zuvor) und mit meinem Artikel über stotternde Vögel. Den schreibe ich für die ZEIT und dafür sehe ich drei New Yorker Universitäten von innen: die Rockefeller University, das Weill Medical College und die New York University. Vögel lernen den Gesang ganz ähnlich wie der Mensch das Sprechen. Sie hören zu und brabbeln nach, sie bauen ihr Vokabular aus und dabei kann – mitunter – auch mal was schief gehen.

In der Redaktion lerne ich immer mehr Leute kennen und beginne, mich auch einen Stock tiefer zurecht zu finden, wo Bibliothek und Fotoabteilung sitzen. Ich werde in interne Codes eingeweiht (die Abkürzung „TK“ in einem Text füllt Lücken und steht für „to come“) und in die Veränderungen, die es bei TIME in den letzten Monaten gegeben hat: Umstrukturierung, Stellenkürzungen, ein neuer Chefredakteur. Das volle Programm.

Ich bedanke mich: für zwei Städte, zwei Redaktionen, 10 tolle Wochen, viele wertvolle Einsichten und Erfahrungen und jede Menge netter Menschen!

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Exact Dates and Speakers TBA
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March 1, 2009
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Aug.-Sept., 2009

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