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(photo: tenth from left)

Biography

Georg Matthes, 31, is a television and radio journalist at Deutsche Welle.  He works for this German worldwide and foreign language broadcasting service out of Berlin, Germany’s most vibrant metropolis. He covers both short and long reports from all over Europe. His work has focused mainly on the analysis of international and political news, but also cultural and economic issues in Asia and Africa. In 2000 he completed a bachelor’s degree program with honors in Politics at the London School of Economics and the School of Oriental and African Studies. Completing another year of studies thereafter, he graduated with distinction from the University of London with a Master of Science in International Relations.His journalistic career started in print journalism, and he worked in Frankfurt and Cairo. Following several media internships, he gained a traineeship with Deutsche Welle, in Bonn, Brussels and now Berlin. Working at the cutting edge of daily news coverage, he is now looking for yet another challenge in the city of Boston. Given the race for the presidency, interesting times are ahead and Georg intends to hit the ground running at the new office.

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Final Report

How to pitch

Schon Stunden vor dem ersten Pitch ist auf den engen Straßen rund um den Fenway Park kein Durchkommen mehr. Das älteste und kleinste Baseballstadion der USA mitten in Boston ist das Herz Neu-Englands - die Kathedrale des amerikanischen Baseball. Aus über 34.000 Kehlen dröhnt die Nationalhymne. Neben mir steht Sportmoderator Chris Collins auf dem Feld, die rechte Hand auf dem Herz, die Linke am Mikro der New England Cable News. Dann der erste Pitch der Boston Red Sox. Mit knapp 110 Stundenkilometern fliegt die Lederkugel Richtung New York Yankees und ....

Aber der Reihe nach, denn zuerst einmal musste ich lernen "How to pitch a STORY in New England." Mein Catcher im Team NECN, den New England Cable News, war in diesem Fall der stellvertretende Chefredakteur Thomas R. Melville. Gleich an meinem ersten Tag stellte er mich der gesamten Redaktion als volles Mitglied des Reporterteams vor - auch wenn der Ausdruck "German Veteran Reporter" etwas gewöhnungsbedürftig war. In der folgenden Woche lernte ich den New-England-Lokaljournalismus in seiner schönsten Form kennen. Die New England Cable News sind der größte regionale Kabelkanal der USA und liefern Nachrichten, Dokumentationen, Sport und Unterhaltung rund um die Uhr. Ich war bei den Nachrichten und mit rund 15 Reportern fünf Tage die Woche in ganz Neu-England unterwegs. In Vermont besuchten wir die Familie eines gefallenen US-Soldaten, in Massachusetts berichteten wir aus dem Gerichtssaal von einer Prügelei auf einem Boot und in Maine kletterte ein 11 Kilo Riesenhummer vor unsere Linse. Auch politisch lag eine spannende Zeit vor mir. Zusammen mit der Reporterin Alison King

traf ich in den kommenden Wochen auf alle Präsidentschaftskandidaten, die sich kurz vor den Primaries in New Hampshire tummelten. Das Innenleben des Senders - ein riesiger fensterloser Kasten in Newton mit Studios und Reporterkabinen - sah ich in der ersten Woche kaum.

Aber dann wurde es ernst. Mit Lauf-Mazen aus Feed-Material arbeitete ich mich in das Schnittsystem ein. Die Motivation: Wenn Du selbst schneidest, kannst Du auch Berichte machen. Die Kameraleute waren sehr hilfsbereit und arbeiteten mich gut ein, denn wer bei NECN dreht, schneidet auch gleich selbst. Das ein Reporter aber schneidet, konnten die Redakteure am Anfang kaum glauben. Der VJ-Reporter ist bei den großen TV Sendern der USA noch lange nicht angekommen.

Krawatte und Anzug sind dafür noch immer Pflicht bei vielen Sendern, auch bei NECN, denn zu jedem Nachrichtenstück gehört bei dem Sender ein Aufsager, wenn nicht besser gleich zwei. Erst nach Feierabend gegen 18 Uhr stieg ich aus meinen PT Cruiser und tauschte Krawatte gegen Angelweste. Gleich hinter meiner Wohnung lag der Jamaica Pond und dort zog ich das ein oder andere Abendessen und meine erste große Cover-Story für NECN an Land. (p.s. Datenschützer aufgepasst, für eine Fishinglicense verlangen die Amerikaner alle persönlichen Angaben, inklusive Augen- & Haarfarbe, Gewicht und Größe.) Ein Angler erzählte mir, dass die

Riesentunfische vor der Küste Neu-Englands aussterben und mit ihnen die traditionsreiche Fischindustrie. Charles J. Kravetz, der Chef des Senders, befand die Geschichte für gut und gab mir – mit dem entschiedenen Nicken aller Reporter - das entscheidende GO. Als VJ filmte ich in der folgenden Woche an Bord eines Tunfischjägers, interviewte Fischer an der Küste, sprach mit der führenden US-Meeresbiologin in diesem Feld und mit der Fischereibehörde, die ihre Leiterin für mein Interview aus Washington einflog.

Charles J. Kravetz war mit dem Ergebnis sehr zufrieden und ab jetzt folgte eine Geschichte nach der anderen. Ein US(-)Soldat hatte per Video-Live-Schalte die Geburt seiner Tochter aus dem Irak verfolgt. Am Tag nach der Entbindung sprach ich mit der Mutter im Krankenhaus und per Video-Live-Schalte mit dem frisch gebackenen Vater im Irak. Am Abend war die Story in den News.

Als am 5. September in Deutschland die Polizei einen Terroranschlag vereitelte, lieferte ich für NECN in Boston die aktuellen Berichte und On-Air Einschätzungen aus dem Newsroom.

In Plymouth, Massachusetts besuchte ich das größte Gefängnis des Landes, in dem die Insassen auf einer Farm arbeiten, um zurück in den Alltag zu finden. In dieser Cover-Story ging es um die extrem hohe Rückfallrate an Gefängnissen in den USA. Als ich nach dem Schnitt Tom Melville bat, sich den Beitrag  anzusehen, sagte er nur: "Georg, i think you knocked it out of the park."

Gemeint war natürlich der Fenway Park, in dem der Red Sox Batter den Ball der Yankees mit voller Wucht bis in die Zuschauerreihen katapultierte. Ein Moment, den ich nicht vergessen werde, ebenso wie meine Zeit bei NECN. Die gesamte Redaktion war trotz des Tagesgeschäfts immer hilfsbereit und sehr herzlich. R.D. Sahl der Europaexperte des Senders nahm sich immer wieder Zeit für mich, Greg Wayland der seit Gründung des Senders vor 15 Jahren dabei ist, zeigte mir auf vielen Ausflügen das Boston seiner Kindheit und mit Chefkameramann John Stuart tauschte ich Dreh- und Angelerfahrungen aus.

Reporter, Kameraleute, Moderatoren, Producer und Cutter haben mich in meiner Zeit bei NECN unterstützt wo sie nur konnten, denn profitiert - darin waren wir uns alle einig - haben in diesen zwei Monaten beide Seiten. Das galt natürlich auch für den Abschied in der Chefredaktion: Mit den Tom und Charly, tauschte ich am letzten Tag zwei antike Bierkrüge aus Hessen mit zwei NECN-Kaffeetassen aus Boston. Im Gepäck im Flieger nach Deutschland hatte ich am nächsten Tag NECN T-Shirts, Mützen, Trinkflaschen und eine Festplatte. Gespeichert waren darauf Bilder aus einem deutschen Gefangenenlager aus dem Zeiten Weltkrieg, gedreht in meiner letzten Woche bei NECN. Im hohen Norden New Hampshires, sechs Stunden von Boston entfernt traf ich einem 88-jährigen Gefängniswächter, der mir von seiner Begegnung mit den deutschen Soldaten 1944 erzählte. Zurück in Deutschland interviewte ich dann einen der ehemaligen Insassen des Lagers in Brunsbüttel, bei Hamburg. Als echtes transatlantic package kommt mein letzter Beitrag für NECN also mit Aufsager aus Berlin. Wohlgemerkt Berlin, Germany, denn New Hampshire hätte natürlich auch ein Berlin im Angebot.

Nachtrag: Weil bei dem Home Run im Fenway Park alle drei Bases mit einem Runner besetzt waren, gab es einen Grand-Slam. Besser kann ich meine Zeit bei NECN in Newton, Massachusetts nicht beschreiben - es war ein "Grand Slam".

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