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(photo: third from left)

Biography

Lara Fritzsche, 23, is studying Psychology and German literature at the University of Bonn, and in 2009 she will earn her bachelor’s degrees. After finishing high school, Lara joined the Kölner Stadt-Anzeiger, a major regional newspaper in Cologne, Western Germany, where she received her journalistic training in various departments for two years. In 2005, after finishing her training program, she became editor and started working in the education section for Kölner Stadt-Anzeiger. During her time as a trainee and also as an editor, Lara was awarded several prestigious German journalistic prizes, including the “Theodor-Wolff-Preis” and the “Axel-Springer-Preis,” which also motivated her to work as a freelancer for national newspapers and magazines in Germany and Switzerland. Lara’s journalistic experience is not limited to print, but includes also TV, radio and online journalism.The Burns fellowship will give Lara a chance to apply her journalistic skills in a new and challenging environment, and to explore U.S. culture – which she only knows from various vacations – in a new context. She is eager to dive into this challenge in Philadelphia and hopes to bring these experiences back to those in Germany through her writing.

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Final Report

Der Einstieg

Nach drei Tagen Wohnungssuche vor Ort kenne ich Philadelphia so gut, dass mir selbst der Einsatz in der Lokalredaktion keine Angst machen würde. Aber es ist anders vorgesehen. Ich beginne meinen Stipendienaufenthalt im Magazin des Philadelphia Inquirer. Das Magazin bildet ein eigenes Buch in der Tageszeitung, das jeder Ausgabe beigefügt ist. Es befasst sich mit den Themenkomplexen Literatur, Kunst, Freizeitsport, Essen und Trinken, Multimedia und Gesellschaft.

Den ersten Tag verbringe ich im Restaurant. Nachdem ich mich meiner direkten Chefin Sandy Clark beim zweiten Frühstück vorgestellt hatte, ging es weiter mit einem Mittagessen mit dem Chefredakteur Bill Marimow und endete mit Kaffee und Kuchen mit einer Kollegin in der Kantine. Am Ende dieses ersten Tages hatte ich zwar gerade so meinen Arbeitsplatz bezogen, aber nie länger als eine halbe Stunde alleine dort gesessen. Die Kollegen im Ressort, denen Sandy mich vorgestellt hatte, kommen nach und nach zum Quatschen vorbei. Das soll sich auch in den kommenden acht Wochen nicht ändern. Im Gegenteil: Nicht nur am Arbeitsplatz nehmen mich die Kollegen sehr herzlich auf, bald schon laden sie mich auch am Wochenende ein. Die Gastfreundlichkeit der Kollegen, der Alumni in Philadelphia und meiner Nachbarn hat mich besonders beeindruckt und mir den Start sehr leicht gemacht.

Die Zeitung

Der Philadelphia Inquirer ist eine täglich erscheinende Lokalzeitung mit einer Auflage von etwa 400.000. Im Frühling 2006 wechselte die Zeitung auf einem Tiefpunkt ihres 177 jährigen Bestehens ihren Besitzer, seitdem lenkt der ehemalige Werbefachmann Brian Tierney die Geschicke – und das mit viel Lust an der Veränderung.

Werbung vs. Journalismus

Dazu gehört unter anderem auch die umstrittene Mischung von redaktioneller Arbeit mit einem Werbeauftritt. Die strikte Trennung von Journalismus und Werbung ist aufgehoben - zumindest in einer Zeitungsspalte. Dort sammeln sich unter dem grünen Logo und dem Namen der „Citizen Bank“ aktuelle Nachrichten, umrahmt von der Hausfarbe.

Immer wieder wird beim „Philadelphia Inquirer“ grundsätzlich über diese Neuerung diskutiert, die auch andere Zeitungen im Land kritisch begleitet haben, darunter „Washington Post“ und „New York Times“. Ist hier die Grenze zur PR überschritten? Meine Kollegen waren sich da einig. Für sie war diese Zeitungsspalte ein „no go“. Auch weil der Kontext so schön passt. Die gesponserte Nachrichtenspalte hat Tierney eingeführt, der Mann der über Jahre sein Geld als PR-Agent verdient hat bevor er vor einem Jahr die Zeitung kaufte und hier  nun „sein Fachwissen über Werbung auch in die neue Arbeit einbrachte“, wie die „New York Times“ lästerte.

Online comes first

Seit Tierney da ist, hat sich auch am Onlineauftritt und dessen Einschätzung einiges verändert. „Ich finde online journalistisch ja eigentlich viel attraktiver, aber leider bringt Werbung im Printprodukt immer noch mehr Geld ein“, sagt er gern. Er scheint sich vorgenommen zu haben, die Wende herbeizuführen. Die Seite philly.com, die sich der „Inquirer“ mit der Boulevardzeitung „Daily News“ teilt, hat einen lokalen Marktanteil von 24 Prozent, und Tierneys Wahlspruch lautet: „Online comes first.“

Was das bedeutet, kann man jeden Tag am Redaktionsgeschehen beobachten. Selbst wenn ein Reporter erst kurz vor Druck der Zeitung von einem Termin zurückkommt, muss er als Erstes im Internet seinen Artikel ankündigen, den es zu diesem Zeitpunkt nur in seinem Kopf gibt. Erst danach fängt er mit seinem eigentlichen Text an. Ist die Story dann fertig, wird sie sofort online gestellt, lange bevor sie - im Wortlaut identisch - in den Druck geht.

Vier Millionen Dollar wird Tierney Ende 2007 in den Internetauftritt investiert haben. Scheint, als wollte er die Versäumnisse der Vergangenheit alle auf einmal wettmachen. Denn noch etwas hat er eingeführt: Seine Reporter nehmen zu ihren Terminen außer Block und Stift auch Mikrofon und Videokamera mit. Bis ihr kleiner Film zum Artikel steht, können allerdings schon ein paar Tage vergehen – aber auch da soll sich bald was tun.

Lokal vor International

Der neue Herausgeber Brian Tierney hat noch eine weitere Marschrichtung korrigiert. Und zwar - wie alles, was er ändert - nicht bloß ein bisschen, sondern gleich komplett. Das neue Motto der Zeitung lautet: Hauptsache lokal. Alles dreht sich plötzlich um Philadelphia, die lokalen Nachrichten sind Aufmacher auf der ersten Seite, lokale Nachrichten bekommen mehr Raum und nicht-lokale Nachrichten müssen einen Bezug zum Leben in Philadelphia haben. Schwere Zeiten für Auslandskorrespondenten. Wie sollen sie zu allem und jedem einen lokalen Bezug entwickeln? Viele der ehemaligen Korrespondenten – die Zeitung unterhielt vor zehn Jahren noch neun Büros in aller Welt – sind nun wieder in der Zentrale.

Die Konkurrenz der Zeitung heißt nicht mehr New York Times oder Washington Post, sie hat heute andere Namen. Sie heißt Clark Park News oder The Chestnut Hill Local. Das sind kleine Blätter oder Online-Magazine, die ausschließlich ein Viertel oder manchmal sogar bloß einen Häuserblock betreuen. Klar, dass die auf ihren paar Quadratmetern unschlagbar sind. Blöd nur, dass es davon immer mehr gibt in Philly und dass die Leute sie lieben. Für die schlecht gedruckten Heftchen bezahlen sie umgerechnet bis zu 2,15 Euro.

Beim Philadelphia Inquirer gab es ganz zu Beginn des Kurswechsels hin zum Lokalen eine Gruppe, die alle kleinen Viertel-Zeitungen gesichtet und ausgewertet hat. Einige Schreiber – zumeist berufstätige Eltern, die abends noch mal den Computer hochfahren – hat man versucht abzuwerben. Aber das Interesse hielt sich in Grenzen, zumal der „Inky“, wie die Leute hier die Zeitung nennen, für seine lokalen Verdienste nicht gerade bekannt ist. Egal wo man auf Einheimische trifft, im Park, beim BarBQ oder auf dem Straßenfest – fast alle lesen die Heftchen aus ihrem Stadtteil und die New York Times.

Eindrücke

In dieser Zeit der Umbrüche dabei zu sein, war ein großes Privileg. Zumal es um Veränderungen geht, die uns in Deutschland ebenso betroffen haben, betreffen oder betreffen werden. Die Situation des Philadelphia Inquirer als Lokalzeitung, die ebenso einen Mantelteil produziert, hat mich häufig an die Situation des Kölner Stadt-Anzeigers erinnert hat.Aber nicht nur beruflich war das Stipendium eine tolle Erfahrung, vor allem persönlich habe ich die Zeit sehr genossen. Ich habe sehr tolle Menschen kennen gelernt und freue mich schon jetzt auf ein Wiedersehen.

Ich habe mich bereits für ein Auslandssemester in Psychologie an der Columbia University in New York beworben und hoffe schon bald an die Ostküste zurückzukehren.

 

 

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