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(photo: sixth from left)

Biography

Peter Onneken, 32, is a freelance journalist.  Since 2006, he has been mainly working for the economics magazine Plusminus at the German Network ARD. He is based in Frankfurt at Hessischer Rundfunk. Peter has a degree in political science from Frankfurt University, and he did a master thesis in sociology at the University of Lund in Sweden. Peter has 11 years experience as a journalist. He started as a writer and reporter at a youth radio station in Frankfurt, before he was hired by Bloomberg in 2000, based in London and Frankfurt. There he worked as a stock market reporter, before he developed and hosted the show “jung schoen reich” (“young beautiful rich”), a finance show for young investors. In 2002, Peter joined the economic and consumer department of Hessischer Rundfunk (TV). From 2003 to 2005 he developed and produced a series of 25 documentaries on young Europe (“25 Tage in Europa/25 days in Europe”), which earned him the German Polish Journalist award in 2006. Peter will spend approximately six weeks of his Burns Fellowship in Atlanta, working for CNN Presents. He will then finish his fellowship in New York City, working with Anderson Cooper’s team for the investigative reporting show “360.”

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Final Report 

Alles begann mit einer sechsstündigen Verspätung. Wegen ein bisschen Wind und Regen war mein erster Flug aus Washington gestrichen worden, in Dulles herrschte Chaos, aber voller Hoffnung erreichte ich den Flugschalter und ja, ich sollte Glück haben, die nächste Maschine nach Atlanta hatte noch Platz und sei wieder pünktlich.

Etwa eine Stunde später als nach Plan öffneten sich endlich die Türen am Gate.

Zu früh gefreut. Verzweifelt ergriff der Purser das Mikrofon: „Wir können leider noch nicht fliegen, wir vermissen den Co-Piloten.“

Drei Stunden sollte es dauern, bis wir endlich ins Flugzeug gelassen wurden.

Etwa eine halbe Stunde nach Mitternacht empfing mich meine Mitbewohnerin, June, mit der ich lediglich über ein Internet-Inserat bei craigslist Kontakt aufgenommen hatte.

Nun weiß man ja nicht, wer sich hinter solchen Anzeigen verbirgt. 

Doch sie stellte sich dann zum Glück nicht als Serienkillerin, sondern als stramme Konservative mit koreanischen Wurzeln heraus. Ihr verdanke ich den Zugang zu einer ganz eigenen ultra-republikanischen Sicht der US-Politik.

Denn noch bevor ich bei CNN richtig angefangen hatte, musste ich ihrem Vater vorgestellt werden, der mir erst einmal erklärte, in was für einem Sender ich denn  hier mein Fellowship verbringe. CNN, das seien Kommunisten, und überhaupt werde die amerikanische Medienwelt von unpatriotischen Linken dominiert.

Nun ja, für mich war CNN eigentlich immer der Sender gewesen, der mir Kriege mit US-Beteiligung hauptsächlich über embedded reporter näher gebracht hatte.

Jetzt sollte ich aber die Möglichkeit bekommen, bei CNN Presents, der Langfilm-Abteilung des Nachrichtensenders, einen völlig neuen Eindruck zu gewinnen.

Zwar war CNN nicht das bolschewistische Bollwerk, wie es mir Junes Vater am Vorabend hatte glauben machen wollen, aber schon ein Blick auf die Themen, mit denen sich die Filme hier beschäftigten, verrät, wieso ein ultrakonservativer Republikaner das Cable News Network meidet:

da wurde nicht nur mit dem Umgang der Veteranen der Bush-Regierung abgerechnet oder in God’s Warriers die fanatische Haltung der Evangelikalen dokumentiert, sondern auch noch das Wrestling schlecht gemacht, nur weil man beweisen konnte, dass so ziemlich alle Wrestler systematisch mit Testosteronen und Anabolika voll gestopft waren.

All diese Dokumentationen waren noch dazu aufwendig produziert, was sich für mich leider schnell als Dilemma herausstellte. Denn da ich nur sechs Wochen bei Presents bleiben sollte, war es schwierig, für mich wirkliche Arbeit zu finden.

Trotzdem hatte ich immer wieder die Möglichkeit, mich einzubringen und mit meinen CNN Kollegen über Filmkonzepte und Manuskripte zu diskutieren.

Auch wenn sich mein Output in dieser Zeit in Grenzen hielt, hatte ich doch die wunderbare Gelegenheit, die Produktionsweisen dort kennen zu lernen. Und das war schon faszinierend, vielleicht auch gerade, weil ich bis heute nicht verstanden habe, weshalb ein privates Unternehmen, das mit solchen Dokumentationen etwa eine Million Zuschauer in seiner Zielgruppe erreicht, Filme mit einem solchen Aufwand produziert. Etwa drei Redakteure waren für etwa ein halbes Jahr mit der Dokumentation America’s Killer diet beschäftigt. Ich stieß etwa einen Monat vor Ausstrahlung zu der Produktion hinzu, in dieser Zeit wurde der 40-Minuten-Film über etwa sechs Wochen von ein bis zwei Cuttern montiert. Gefielen meinen Kollegen irgendwelche Einstellungen nicht oder bemerkten sie, dass sie vielleicht doch noch ein paar Bilder brauchten, so wurde einfach nachgedreht – keine Diskussionen über Budgets oder Kosten.

Über meine Erfahrungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Flugverkehr hatte ich ja schon berichtet, aber über den öffentliche Personennahverkehr in Atlanta kann man nur sagen: wow.

Ich glaube, man muss exakt eine Minute in einem Bus der MARTA sitzen, um zu verstehen, dass dieses System einfach nicht funktionieren kann. Es mag ja ein Klischee sein, dass der Amerika schlicht gegen die Fortbewegung mittels eigener Füße ankämpft, aber ein Bussystem muss einfach scheitern, wenn man glaubt, dass es sinnvoll sei, etwa alle 50 Meter eine Haltestelle einzuplanen. Für vier Kilometer braucht man dann eben gerne mal eine gute Stunde.

Ich merkte also schnell, dass ich mir eine andere Beförderungsmoeglichkeit suchen musste. Nun es war Sommer, immer über dreißig Grad – bestes Rollerwetter.

Matell  hatte gerade in China hergestellte Spielzeuge zurückgerufen, und ich kaufte mir einen nagelneuen Scooter aus dem Reich der Mitte. Der war so hochwertig verarbeitet, dass die Beleuchtung erst nach drei Tagen den Geist aufgab.

Zunächst erwies sich die Investition als wahrer Glücksgriff. Wieder und wieder wurde ich von Fremden auf mein Gefährt angesprochen. In dem Land, in dem das Benzin halb so teuer ist wie in Deutschland, immer mit der selben Frage: How many miles per gallon?

Rückblickend kann ich diese Frage eigentlich nicht fundiert beantworten, denn insgesamt habe ich den Roller nur mit etwa drei Gallonen gefahren, was keine fundierte Aussage über den Verbrauch zulässt.

Denn meine Geschichte als Rollerfahrer fand bereits nach etwa zehn Tagen ein schnelles Ende. Als ich abbiegen wollte und den Gegenverkehr passieren ließ, rammte mich ein Jeep und ich schlidderte samt Roller über die Strasse.

Der Roller war futsch, aber ich kam mit  ein paar Schrammen und einem Schleudertrauma davon – der Stoßstange des Jeeps zeigte sich völlig unbeeindruckt.

Davon abgesehen, dass ich die nächsten Wochen regelmäßig zum Chiropraktiker musste, boten sich mir durch den Unfall zwei hervorragende Möglichkeiten: zum einen konnte ich das amerikanische Gesundheitssystem näher kennenlernen, zum anderen konnte ich nun endlich ausprobieren, was sich hinter der 1-800 INJURYLAW Telefonnummer verbirgt.

Ein Arztbesuch, ein Schädel-CT und etwa vier Wochen drei mal dreißig Minuten Chiropraktiker addierten sich auf etwa 4.000 US Dollar. Und ja, sowohl Krankenhaus als auch Arzt und Chiropraktiker bevorzugen cash.

Nun habe ich nicht direkt 1-800 INJURYLAW gewählt, aber ein Kollege hatte gerade eine Anwältin in einem  Strip Club kennengelernt, das schien mir ebenso seriös.

Sie machte mir schnell klar, dass man der Versicherung sehr wohl deutlich machen müsse, dass man das Leid, das mir angetan wurde (wie gesagt ein paar Schrammen) sehr wohl in Geld aufwiegen könne. Ihre Rechnung (der Anwalt kostet keine Gebühren): ein mögliches Schmerzensgeld werde geteilt, ein Drittel für  die Kanzlei, zwei Drittel für mich.

Die Lust m Roller fahren war mir vergangen, aber ich hatte Glück, denn der Umzug nach New York stand bevor – endlich wieder in eine Stadt mit einem vernünftigen U-Bahn-System.

Bei CNN verbrachte ich nun die letzten beiden Wochen beim Flagschiff-Programm Anderson Cooper 360.

Davon abgesehen, dass zwei Wochen eine sehr kurze Zeit sind, ist es nicht gerade ratsam, in einer Redaktion Station zu machen, deren Sendezeit just an dem Tag um fünfzig Prozent gekürzt wurde und sich das Personal ausrechnen kann, dass nicht mehr jeder von ihnen gebraucht wird. Selten habe ich eine Redaktion erlebt, in der so wenig gesprochen wurde. Allerdings auch selten ein Büro mit einem so fantastischen Ausblick auf den Central Park, der für Vieles entschädigte.

Und New York bietet bei 30 Grad nun auch wenig Schwierigkeiten, sich ohne Arbeit zu beschäftigen, weshalb ich auch nach Beendigung des Fellowship partout nicht abreisen wollte.

Wieder angekommen im frostigen Frankfurt wusste ich warum.

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